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Spart Kosten und schützt Leben

Wegen mangelnder Instandhaltung und veränderten Bedingungen sind mehr als 10.000 Brücken in Deutschland marode und hinfällig. Abbruch oder aufwändige Sanierungsarbeiten müssen die aufgeschobenen oder unvollständigen Instandhaltungen nun ausgleichen. Auch im Betrieb spielt Instandhaltung eine große Rolle, allerdings können Instandhaltungsarbeiten gefährlich sein.

Instandhaltung bedeutet technische Systeme, Bauelemente, Geräte und Betriebsmittel oder Teile davon während ihres Lebenszyklus in einem funktionsfähigen Zustand zu erhalten. Sie kann aber auch bedeuten, einen funktionsfähigen Zustand wieder herzustellen. Die Maßnahmen, die zur Instandhaltung gehören, sind laut DIN-Norm 31051 Wartung, fachgerechte Instandsetzung und technische Verbesserung sowie regelmäßige Inspektion und sicherheitstechnische Prüfung.

 

Mit einem vorbeugenden Instandhaltungskonzept soll unter anderem erreicht werden, dass sich

 

  • keine Systemausfälle ereignen,
  • Maschinenstillstände innerhalb einer Fertigungszeit verringern,
  • die Instandsetzungszeit an den Maschinen verkürzt,
  • Maschinenstillstandszeiten nur gering auf den Fertigungsfluss auswirken,
  • die Lebensdauer von Anlagen und Maschinen erhöht und optimal genutzt werden kann,
  • die Anlagenverfügbarkeit erhöht,
  • die Betriebsabläufe optimieren,
  • weniger Störungen ereignen,
  • Kosten planen lassen, und dass sich
  • die Betriebssicherheit verbessert.

 

Instandhaltung ist besonders dort wichtig, wo Menschen gefährdet sind, wenn technische Systeme versagen.

 

Firmeneigenes Wissen als Ergänzung

 

Werkzeugmaschinen und Produktionsanlagen wurden in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. An modernen Anlagen ist es wesentlich schwieriger, Schwachstellen zu finden. Außerdem reagieren die Bauteile heute sensibler auf Verschleißerscheinungen und Defekte.

 

Kein Unternehmen kann sich Anlagenausfälle erlauben. Mit Wartungs- und Instandhaltungskonzepten soll deshalb eine möglichst hohe Verfügbarkeit von Anlagen gewährleistet werden. Die Grundlage für die Konzepte sind standardisierte Maßnahmen. Doch vor allem mit dem firmeninternen Know-how erfahrener Mitarbeiter gelingt es, Probleme im täglichen Umgang mit den Maschinen frühzeitig zu erkennen und unter anderem zusammen mit der Herstellerfirma passende Lösungen zu erarbeiten. So muss die Übergabe der Wartungsarbeiten an ein fremdes Instandhaltungsunternehmen nicht immer nur von Vorteil sein.

 

Das grundsätzliche Ziel der Instandhaltung, Maschinen und Anlagen in einem sicheren und störungsfreien Betrieb zu erhalten, ist mit verschiedenen Strategien zu realisieren. Dazu gehören Planung und Abwicklung von Instandhaltungsmaßnahmen vor Eintritt eines schadensbedingten Anlagenzustandes beziehungsweise eines Anlagenausfalls. Zu den Maßnahmen der vorbeugenden Instandhaltung zählen vor allem Inspektion und Wartung. Aber auch Maßnahmen wie Reparaturen, Austausch, Schutzanstriche oder Installation von Warneinrichtungen zählen zur vorbeugenden Instandhaltung. Diese sind unter Abwägung betriebswirtschaftlicher sowie sicherheitstechnischer Kriterien bei Bedarf durchzuführen.

 

Tabelle: Unterschiedliche Strategien bei der Instandhaltung

 

Wartungen und Kontrollen sparen langfristig Kosten. Im Beispiel der Brücken ist davon auszugehen, dass sich die jetzt notwendigen Arbeiten über Jahre hinziehen werden. Schätzungen gehen davon aus, dass mit 1 Mrd. Euro weniger als 80 Brücken saniert werden können. Das würde bedeuten, dass weit über 100 Mrd. Euro für die Brücken investiert werden müssen.

 

Geräte in optimalem technischem Zustand beugen Unfällen und Ausfällen mit ihren hohen Folgekosten vor. Die betrieblichen Kosten, die für den Wartungs- und Instandhaltungsbereich anfallen, lassen sich kalkulieren und budgetieren. Anders sieht das bei einem Maschinenausfall oder auch einem Arbeitsunfall aus. Hier lassen sich die Folgekosten unter anderem für Reparaturarbeiten oder Neuanschaffung defekter Bauteile sowie Fertigungsausfall, Schwierigkeiten bei der Termintreue oder dem Erhaltung der Produktqualität nur schätzen.

 

Gefährdungen richtig einschätzen

 

Die Gewährleistung funktionstüchtiger Maschinen und Anlagen ist nur ein Teilaspekt erfolgreicher betrieblicher Instandhaltung. Denn sie ist auch für die Arbeitssicherheit ausschlaggebend. Bereits vor den Instandhaltungsarbeiten müssen die Gefährdungen richtig eingeschätzt werden, denn dabei ereignen sich 21 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle. Das sind mehr als in der Produktion. Um eine Instandhaltung sicher durchzuführen, müssen Arbeitsabläufe gut organisiert und die Mitarbeiter ausreichend qualifiziert sein.

 

Basis ist eine Gefährdungsbeurteilung. Sie wird bei der Instandhaltung durch wechselnde Arbeitsplätze, vielfältige Risikofaktoren und unregelmäßig wiederkehrende Arbeiten erschwert. Im Anhang 1 Nr. 2.12 der Betriebssicherheitsverordnung findet sich eine 4-Stufen-Methode, die als „Grundsatz für eine sichere Instandhaltung“ angesehen werden kann. Werden die vier Stufen konsequent angewandt und die einschlägigen Vorschriften und Regelwerke berücksichtigt, sinkt das Unfallrisiko deutlich.

 

Vor Aufnahme der Instandhaltung sollten der Unternehmer und der betriebliche Vorgesetzte die Arbeiten in der Rangfolge der 4-Stufen-Methode bewerten. Damit ist gewährleistet, dass das höchste Schutzniveau eingehalten wird.

 

Sicher und sichtbar

 

Laut Betriebssicherheitsverordnung müssen Arbeitsmittel – ob Maschinen oder Fahrzeuge – bei Änderungs-, Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten stillstehen. Industrie, Handwerk und Bauwesen setzen dabei auf Verriegelungen, Blockier- und Kennzeichnungssysteme. Sie verhindern Personen- und Sachschäden. Ordnung und Übersicht erleichtern es, dass mit wenigen Handgriffen für Sicherheit gesorgt werden kann. Intervalle und Prüfungen müssen dokumentiert werden und zusammen mit den wichtigsten Maschinendaten für alle sichtbar auf einem Hinweisschild vermerkt sein.

 

Während Reparatur, Überholung oder Reinigung ist am Arbeitsmittel klar erkennbar ein Warnhinweis anzubringen. Diese Kennzeichnung wird auch Tagout genannt.

 

Instandhaltungsarbeiten können gefährlich sein und die Gesundheit belasten. Die meisten Unfälle ereignen sich, wenn etwas repariert oder ein defektes Teil ausgetauscht werden muss. Zu den Gefährdungen bei der Instandhaltung zählen:

 

  • Lärm, Vibration oder Hitze,
  • hohe körperliche Belastungen,
  • chemische Gefährdungen etwa durch Gefahrstoffe,
  • biologische Gefährdungen durch Viren und Bakterien, aber auch
  • psychosoziale Gefährdungen, wenn beispielsweise die Arbeitsorganisation mangelhaft ist.

 

Zu den Berufskrankheiten und berufsbedingten gesundheitlichen Problemen von Arbeitnehmern, die Instandhaltungen durchführen, zählen vor allem Asbestose, Krebs, Schwerhörigkeit und Muskel- und Skeletterkrankungen.

 

Instandhalter im Betrieb und ihre Aufgaben

 

Die klassische Laufbahn eines „Instandhalters“ im Betrieb ist die Lehre mit anschließender Meisterausbildung. Doch in größeren Industriebetrieben muss der Instandhalter auch Planungs- und Führungsaufgaben übernehmen und Instandhaltungsmaßnahmen und -leistungen mit der Geschäftsleitung diskutieren. Denn nicht nur die Arbeitsmittel sind auf Funktionsfähigkeit zu prüfen, sondern zum Beispiel auch

 

  • die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) durch den Mitarbeiter. Eine kollegiale Beratung durch den Sicherheitsbeauftragten kann hierbei motivierend wirken.
  • die Feuerlöschanlage durch einen qualifizierten und eingewiesenen Betriebsangehörigen. Über die Kontrollen muss Buch geführt werden. Außerdem müssen regelmäßige Überprüfungen durch unabhängige Sachverständige z. B. vom VdS, der Dekra oder dem TÜV erfolgen. Instandhaltung und Wartung sollten stets von zertifizierten Firmen durchgeführt werden.
  • Alle Dienstfahrzeuge, ob Auto oder Fahrrad. Es empfiehlt sich einen Wartungsvertrag mit der Werkstatt abzuschließen.
  • Aufzüge, für die nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) seit 2015 strengere Pflichten bei den Anforderungen an die Instandhaltung und Prüfung gelten.

 

Die wichtigsten Begriffe im Überblick (nach DIN EN 13306)

 

  • Wartung: Maßnahmen, mit denen der Abbau des vorhandenen Abnutzungsvorrats verzögert werden soll.
  • Instandsetzung: Maßnahme, mit der ein technisches System, Bauelement, Gerät oder Betriebsmittel in einen funktionsfähigen Zustand zurückgeführt wird.
  • Verbesserung: Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen sowie Maßnahmen des Managements zur Steigerung der Funktionssicherheit einer Betrach‧tungseinheit, ohne die von ihr geforderte Funktion zu ändern.
  • Inspektion: Maßnahme, bei der der Ist-Zustand festgelegt und beurteilt wird und bei der ggfs. Ursachen von Abnutzungen bestimmt und die Konsequen‧‧zen für eine künftige Nutzung abgeleitet werden.
  • Funktionsfähigkeit: Fähigkeit zur Funktionserfüllung aufgrund des Zustandes.
  • Schwachstellenanalyse: Maßnahme, mit der u. a. eine erhöhte Abnutzung aufgedeckt werden kann.
  • Ausfall: Beendigung der Fähigkeit, eine geforderte Funktion zu erfüllen.

 


Weitere Informationen erhalten Sie u. a.

 

  • in Gesetzen und Verordnungen wie z. B. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hier,
  • in Normen wie DIN 31051: Instandhaltung oder DIN EN 13306: Begriffe der Instandhaltung
  • bei der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) in „Bedeutung der Instandhaltung für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit aus statistischer Sicht“, Facts 90 (link),
  • bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit, TRBS 1112: Instandhaltung, TRBS 1201: Prüfung von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen sowie TRBS 1203: Befähigte Person (link)
  • bei den Berufsgenossenschaften in Fachseminaren und Informationsbroschüren sowie
  • in der Dokumenten-Bibliothek „Instandhaltung“ (link)